Was wäre Ihre persönliche Gigafactory?

Wenn ein neues Jahrzehnt beginnt und noch unscheinbar und verheißungsvoll vor einem liegt, ist ein guter Zeitpunkt, um mal über echte Langfristziele nachzudenken. Ein Beispiel:

 

Lisa Taddeo hat acht Jahre für ihr amerikanisches Sensationsdebüt „Three woman“ recherchiert und gearbeitet. Ein echtes Jahrzehnte-Projekt. Etwas über beinahe eine Dekade durchzuziehen obwohl man nicht weiß, was am Ende dabei rauskommt, finde ich bewundernswert. Von der finanziellen Machbarkeit mal abgesehen, würde ich Frau Taddeo gerne mal fragen, wie sie es geschafft hat, dran zu bleiben. 

 

Über den Erfolg von Menschen mit einem langen Zeithorizont berichtet auch das Buch „Das Timehorizon Prinzip“ von Dr. Julian Hosp. Er beschreibt darin, dass erfolgreiche Menschen besser darin sind, „ihre langfristigen Ideen im Hier und Jetzt durchstrukturiert umzusetzen“. Laut seinem Lehrmeister und Coach (der im Buch anonym bleibt), liegen die meisten Menschen bei einem Zeithorizont von zwei bis drei Monaten. Dazu kann ja jeder einfach mal im eigenen Kalender quer checken bis wann man feste Termine eingetragen hat. Ein Zeithorizont von zwei bis drei Jahren sei bereits „Weltklasse“ und für einen Zeithorizont von sieben bis zehn Jahren gebe es nur noch zwei bis drei Handvoll Leute auf der Welt. Berühmte Beispiele dafür: Steve Jobs oder Elon Musk. 

 

Hosp betont in seinem Buch mehrfach, dass es nicht nur darum geht wie weit jemand in die Zukunft träumen kann, sondern „wie weit in die Zukunft jemand eine Umsetzung kreativ und klar strukturiert planen kann“. Kurzgefasst geht es darum sich jeden Tag an so vielen Momenten wie möglich auch seinem persönlichen Langfristthemen zu nähern. 

 

Nicht schlecht, wenn man dafür überhaupt einen Langfristplan oder (Lebens-)Traum hat und der eigene Plan nicht nur bis zur nächst größeren Urlaubsplanung reicht. Das nächste Jahrzehnt lädt zum individuellen Planen allerdings nur bedingt ein. Die Frage: „Was will ich bis 2030 erreicht haben?“, führt bei den meisten Menschen wahrscheinlich zu einem desinteressierten Achselzucken. Besser geeignet für die Langfrist-Hitliste eignet sich der Gedanke an den übernächstgrößeren Geburtstag. Eine beliebte Coachingfrage dazu lautet: Worauf wollen Sie an Ihrem 40. (50., 60.,…) Geburtstag mit Stolz zurückblicken? 

Oder um es mit Elon Musk zu denken: Was wäre Ihre persönliche Gigafactory? 

Die eigene Foto-Vernissage, das veröffentlichte Kinderbuch, der gegründete Verein, der Flug- oder Segelschein, der restaurierte Bauernhof, das eröffnete Café? Der appetitsteigernde Jahrzehnteplanungshorizont kann also nur ein persönlicher sein.